Methodik
Immorisk bewertet den Standort einer Immobilie, nicht das Gebäude. Diese Seite legt offen, woher jede Zahl kommt, wie sie verrechnet wird und wo die Grenzen liegen. Wer den Bericht in der Praxis sehen will: Beispielbericht ansehen.
1. Kriminalitätsbelastung — Quelle und Auflösung
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 des Bundeskriminalamts, Grundtabellen „Fälle mit Häufigkeitszahl“ für Kreise (KR-F-01-T01) und für Städte ab 100.000 Einwohnern (ST-F-01-T01). Von uns abgerufen am 23. Juli 2026.
Auflösung: Kreisebene — 119 kreisfreie Städte und Stadtkreise sowie 293 Landkreise, Kreise und Regionalverbände, zusammen 412 Regionen mit vollständiger Flächendeckung.
Aktualisierung: einmal jährlich, sobald das BKA die neue PKS veröffentlicht (üblicherweise im Frühjahr).
Steht im Bericht Stadtebene, heißt das: Der Standort liegt in einer kreisfreien Stadt. Das ist nicht feiner als Kreisebene, sondern dieselbe Ebene — eine kreisfreie Stadt ist verwaltungsrechtlich ein Kreis. Die Fallzahlen gelten also für das gesamte Stadtgebiet.
Verglichen wird die Häufigkeitszahl — Fälle je 100.000 Einwohner — mit dem Bundesdurchschnitt. Dadurch sind große und kleine Regionen vergleichbar: Eine Großstadt hat naturgemäß mehr Fälle als ein Dorf, aber nicht zwangsläufig mehr Fälle pro Kopf.
Die zweite Tabelle ist nötig, weil kreisangehörige Großstädte (Hannover, Aachen, Saarbrücken, Göttingen …) in der Kreistabelle nur als Teil ihrer Region auftauchen. Ohne sie erhielten alle Adressen einer solchen Region denselben Wert.
2. Umfeld und Lage — Quelle und Auflösung
Quelle: OpenStreetMap, abgefragt über die Overpass-API.
Auflösung: adressgenau — gemessen wird die Luftlinien-Entfernung von der geocodierten Adresse zum nächsten Vorkommen.
Stand: im Bericht an der jeweiligen Wertegruppe ausgewiesen (Zeitpunkt der Abfrage).
Erhoben werden 18 Merkmalstypen in jeweils eigenen Suchradien, unter anderem Supermarkt und Discounter (1.200 m), Bäckerei (900 m), Apotheke (1.200 m), Bus- und Tramhaltestelle (600–700 m), Bahnhof (1.500 m), Autobahnauffahrt (5.000 m), Schule (1.500 m), Kindergarten (1.000 m), Spielplatz (800 m), Park und Grünfläche (1.000 m), Gastronomie und Nachtleben (600 m), Polizeidienststelle (2.000 m) sowie als Lärmquellen Autobahn, Bahntrasse, Industriegebiet und Flughafen. Ergänzend wird die Bebauungsdichte im Umkreis von 300 m gezählt.
Die Adressauflösung erfolgt über Nominatim (OpenStreetMap Foundation). Ist Overpass nicht erreichbar, wird der Bericht ohne Umfeldfaktoren erstellt und das im Bericht ausdrücklich vermerkt — die Bewertung beruht dann allein auf der Kriminalstatistik.
3. Wie der Standort-Index gebildet wird
Der Index reicht von 0 bis 100, wobei höhere Werte für den günstigeren Standort stehen. Er entsteht in zwei Schritten.
Schritt 1 — Kriminalität. Fünf Deliktsbereiche werden einzeln mit dem Bundesdurchschnitt verglichen und gewichtet zusammengefasst:
Wohnungseinbruch 30 %
Gewaltkriminalität 25 %
Diebstahl 20 %
Straßenkriminalität 15 %
Gesamtkriminalität 10 %
Wohnungseinbruch wiegt am schwersten, weil er den Wohnstandort am unmittelbarsten betrifft.
Schritt 2 — Umfeld und Lage. Acht Faktoren aus OpenStreetMap verschieben das Ergebnis nach oben oder unten: vier sicherheitsrelevante (Bebauungsdichte, Gastronomie und Nachtleben, Schienenverkehr, Polizeipräsenz) und vier Lagefaktoren (Nahversorgung, ÖPNV und Mobilität, Familie und Bildung, Umwelt und Lärm).
Diese Verschiebung ist auf höchstens ±12 Punktebegrenzt.
Die Begrenzung ist Absicht. Kartendaten beschreiben Zusammenhänge, keine Ursachen: Dass in der Nähe einer Bahnstation statistisch mehr Gelegenheitsdelikte erfasst werden, macht die Station nicht zur Ursache. Solche Faktoren dürfen ein Ergebnis nuancieren, aber die polizeilichen Fallzahlen nicht überstimmen. Jeder Bericht weist die Zerlegung offen aus — „Kriminalität X · Umfeld und Lage Y = Gesamt“.
Noten: A ab 78 Punkten, B ab 63, C ab 48, D ab 33, darunter E.
4. Die drei Zahlen im Bericht
Jeder Bericht weist oben drei Werte aus. Sie stehen auf eigenen Skalen und addieren sich nicht — das ist Absicht und soll hier klar werden.
Sicherheit (0–100). Allein aus der amtlichen Kriminalstatistik, gebildet wie in Schritt 1 beschrieben. Gilt für die ganze Region — zwei Adressen im selben Kreis haben hier zwangsläufig denselben Wert.
Umfeld (0–100). Aus den acht Faktoren der Umfeldanalyse. Die Faktoren ergeben zusammen zwischen −14 und +18 Punkten; 50 steht für ein Umfeld ohne Ausschläge nach oben oder unten. Dieser Wert ist adressgenau und unterscheidet Standorte, die in der Kriminalstatistik identisch aussehen.
Standort-Index (0–100). Der Sicherheitswert, verschoben um die Umfeldpunkte — begrenzt auf höchstens zwölf Punkte in jede Richtung. Nur dieser Wert trägt die Note A bis E.
Ein Beispiel aus dem Beispielbericht: Sicherheit 57, Umfeld 67, Standort-Index 63. Das Umfeld hebt den Wert, überschreibt die Kriminalstatistik aber nicht.
Warum getrennt? Eine einzige Note verschweigt, woher sie kommt. Ein Objekt mit guter Anbindung in einem Kreis mit hoher Belastung ist etwas anderes als ein abgelegenes Objekt in einem ruhigen Kreis — auch wenn beide dieselbe Endnote bekämen. Getrennte Werte machen den Unterschied sichtbar, statt ihn zu verstecken.
5. Was der Bericht nicht aussagt
Keine Aussage über einzelne Gebäude. Die Fallzahlen gelten für die gesamte Stadt beziehungsweise den gesamten Kreis. Zwei Nachbarhäuser haben dieselben Deliktswerte.
Keine Aussage über Personen. Wir verarbeiten keine demografischen, sozioökonomischen oder auf Herkunft bezogenen Daten — nicht im Index, nicht im Bericht, auch nicht als zusätzliche Ebene. Diese Grenze ist bewusst gesetzt und wird nicht verschoben: Ein Standortbericht, der solche Merkmale ausweist, würde zum Diskriminierungswerkzeug bei der Wohnungsvergabe.
Keine Vorhersage. Statistiken beschreiben die Vergangenheit. Der Bericht sagt nicht, was passieren wird.
Keine Wertermittlung. Immorisk bewertet den Standort, nicht die Immobilie. Der Bericht ersetzt kein Verkehrswertgutachten.
Keine amtliche Auskunft. Wir geben amtliche Daten wieder und rechnen mit ihnen; der Bericht selbst ist keine behördliche Bescheinigung.
6. Was wir noch nicht können
Kriminalitätsdaten unterhalb der Kreisebene. Bundesweit flächendeckend liegen diese Daten auf Kreisebene vor. Das heißt nicht, dass es feinere Daten nicht gibt — mehrere Städte veröffentlichen kleinräumigere Zahlen. Wir haben die Quellenlage geprüft:
Berlin — Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin, 143 Bezirksregionen, mit Häufigkeitszahlen, jährlich, offen lizenziert und maschinenlesbar. Von allen geprüften Quellen die einzige, die alle vier Bedingungen erfüllt.
Hamburg — Stadtteilatlas der Polizei, nach Bezirken und Stadtteilen, gemeinfrei, aber nur als PDF veröffentlicht.
München — Sicherheitsreport nach 25 Stadtbezirken, nur als PDF und ohne offene Lizenz.
Was einer sofortigen Übernahme im Weg steht, ist nicht die Technik, sondern die Vergleichbarkeit: Diese Quellen benutzen eigene Deliktssystematiken. Für „Gewaltkriminalität“ und „Straßenkriminalität“ im Sinne der bundesweiten PKS gibt es im Berliner Atlas zum Beispiel keine Entsprechung. Einen Ersatz zusammenzurechnen und ihn gegen den Bundesdurchschnitt zu halten, wäre rechnerisch sauber und sachlich falsch. Wenn wir eine feinere Quelle einbinden, ersetzt sie deshalb nur die Werte, die sie sauber definiert — und der Bericht weist beide Ebenen getrennt aus.
Bis dahin unterscheidet innerhalb eines Kreises ausschließlich das adressgenaue Umfeld. In der Praxis ergibt das deutliche Unterschiede.
Postleitzahlen helfen dabei nicht. Sie sind Zustellbezirke der Post, keine Verwaltungseinheiten — es gibt keine Polizeistatistik, die darauf Bezug nimmt.
Häufigkeitszahlen kennen nur gemeldete Einwohner. Touristen, Pendler und Besucher zählen im Nenner nicht mit. In Innenstadtlagen mit viel Publikumsverkehr fällt die Häufigkeitszahl dadurch strukturell höher aus, als es das Wohnumfeld nahelegt. Das gilt für die PKS ebenso wie für alle kleinräumigen Quellen und lässt sich mit den veröffentlichten Daten nicht herausrechnen.
OpenStreetMap ist Gemeinschaftsarbeit. Die Abdeckung ist in Deutschland sehr gut, aber nicht lückenlos. Ein Geschäft, das niemand eingetragen hat, fehlt in der Auswertung; ein geschlossenes kann noch verzeichnet sein.
Nur Deutschland. Adressen außerhalb Deutschlands werden derzeit nicht bewertet, weil die Kriminaldatenlage im Ausland anders strukturiert ist.
7. Fehler gefunden?
Wenn eine Zahl nicht stimmen kann, wollen wir das wissen — schreiben Sie an info@immorisk.net. Ergänzend gelten unsere AGB und die Datenschutzerklärung.
Stand: 26. Juli 2026